{"id":734,"date":"2021-07-13T18:54:39","date_gmt":"2021-07-13T18:54:39","guid":{"rendered":"http:\/\/kart-hornets.de\/?page_id=734"},"modified":"2021-11-19T03:35:07","modified_gmt":"2021-11-19T03:35:07","slug":"20-jahre-spezial","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/kart-hornets.de\/?page_id=734","title":{"rendered":"20 Jahre Spezial"},"content":{"rendered":"<p>Es war einmal vor langer Zeit. Die Sonne scheint, die V\u00f6gel zwitschern, es ist angenehm warm und eine leichte Sommerbrise f\u00e4hrt durch das Bl\u00e4tterkleid der B\u00e4ume in der N\u00e4he. Inmitten dieser Idylle steht ein einsamer Mann in der Bl\u00fctezeit seiner Existenz. Er ist gro\u00df gewachsen, ihn umgibt eine einzigartige Aura, sein Astralk\u00f6rper kommt heute im glei\u00dfenden Licht der Sonne besonders gut zur Geltung. Wer es schafft, seine Augen kurz vom Anblick seiner makellosen k\u00f6rperlichen Erscheinung zu entfernen, der erblickt auf der einen Seite seines Kopfes einen gr\u00fcnen Ohrring und auf dem Bauch seines Rennoveralls die Aufschrift \u201eS. Zeisberg\u201c. Ein Mann, der scheinbar alles hat: gutes Aussehen, eine unverwechselbare Ausstrahlung, die Frauen liegen ihm zu F\u00fc\u00dfen. Doch das allein reicht ihm nicht. Er sp\u00fcrt, dass ihm irgendetwas fehlt und ehe er sich versieht, verlieren seine F\u00fc\u00dfe den Kontakt zum Boden. Eine geheimnisvolle Kraft rei\u00dft ihn aus dieser Szene von Idylle und Harmonie heraus und er steigt empor in Richtung Himmel zur gr\u00fcnen Wolkenlandschaft \u00fcber ihm.<\/p>\n<p>Oben angekommen kann er seine F\u00fc\u00dfe auf den weichen, aber dennoch stabilen Wolken absetzen und schaut hinaus in die weite Ferne. Um ihn herum sieht er nichts au\u00dfer den unendlichen Horizont. Er verf\u00e4llt in eine leichte Panik: \u201eWie bin ich hierhergekommen? Und warum bin ich hier?\u201c, fragt er sich, da erscheint ihm eine transparente Gestalt. \u201eHallo\u201c, begr\u00fc\u00dft ihn das mysteri\u00f6se Wesen. \u201eDu fragst dich sicher, warum du hier bist. Ich bin der liebe Gott, du suchst deinen Platz im Leben und ich bin hier, um dir zu helfen, diesen zu finden.\u201c Stephan schaut etwas verdutzt drein und studiert die Erscheinung der fremden Gestalt beim n\u00e4heren Hinsehen etwas genauer. \u201eEin bisschen kleiner als ich, keine Haare auf dem Kopf, im Gesicht eine verbl\u00fcffende \u00c4hnlichkeit mit Joseph Gordon-Levitt, du bist nicht der liebe Gott, du bist Norman.\u201c Der liebe Gott lacht: \u201eIch bin eine Projektion deines Unterbewusstseins. Ich habe kein Erscheinungsbild im eigentlichen Sinne. Ich sehe so aus, wie du dir w\u00fcnschst, dass ich aussehe.\u201c Dann f\u00fcgt er hinzu: \u201eAu\u00dferdem haben wir das Jahr 2001. Du kennst Norman noch gar nicht.\u201c Stephan hat ein riesiges Fragezeichen im Gesicht, bis die transparente Gestalt fortf\u00e4hrt: \u201eIch nehme dich mit auf eine Reise durch die Zeit und wenn deine Reise vorbei ist, befindest du dich hoffentlich dort, wo du sein m\u00f6chtest. H\u00f6re einfach nur auf dein Herz und der Weg wird dich finden und nicht du den Weg.\u201c Stephan versteht zwar nur Bahnhof, seine Neugier ist aber geweckt worden. Also versucht er, den Anweisungen zu folgen und stellt sich vor, was er in seinem Innersten begehrt. Da erschafft sich pl\u00f6tzlich auf einer der gr\u00fcnen Wolken vor ihm ein Kart wie von selbst. Das Rauschen des Windes in den Baumkronen verschwindet und weicht einem aufheulenden Motor. Stephan erschreckt sich und wirft dem \u00fcbernat\u00fcrlichen Wesen einen fragenden Blick zu. Dieses nickt ihm zu und zeigt auf das gerade erschienene Fahrzeug. Stephan l\u00e4uft hin\u00fcber, nimmt Platz und rutscht ein paar Mal in seinem Sitz hin und her. Dabei bemerkt er, wie sich wie von Geisterhand auf einmal Kartschuhe um seine F\u00fc\u00dfe und Rennhandschuhe um seine H\u00e4nde erschaffen. Nur einen Augenblick sp\u00e4ter tr\u00e4gt er pl\u00f6tzlich einen schwarz-gr\u00fcnen Helm auf dem Kopf. Instinktiv klappt er das Visier herunter und bet\u00e4tigt zum ersten Mal das Gaspedal.<\/p>\n<p>Stephan kann sich nicht daran erinnern, wann er das letzte Mal so viel Gl\u00fcck und Erf\u00fcllung empfunden hat. Das Gef\u00fchl von Geschwindigkeit, das Vibrieren an seinen H\u00e4nden und die Ger\u00e4usche des Motors sind wie Musik in seinen Ohren. Schnell wird klar, dass ihm vom lieben Gott auch ein gewisses Talent f\u00fcr die Sache mitgegeben worden ist. Er lernt in rasantem Tempo, das Kart f\u00e4hrt schneller allein durch seine Vorstellungskraft und vor ihm erschafft sich die Strecke, die er f\u00e4hrt, wie von selbst. Lange Vollgaspassagen wechseln sich mit herausfordernden S-Kurven ab. Hier und da wartet ein harter Bremspunkt, so dass er die erneute Beschleunigungsphase, die darauf folgt, voll und ganz genie\u00dfen kann. An manchen Stellen kann er sogar \u00fcber die Grenzen der gr\u00fcnen Wolken hinausgehen, um mit noch mehr Geschwindigkeit durch diverse Kurvenpassagen zu sausen. An wiederum anderen Stellen bauen sich die Wolken um ihn herum wie W\u00e4nde auf, so dass er die Richtungswechsel schnell, pr\u00e4zise und auf den Punkt genau vollziehen muss.<\/p>\n<p>Es dauert aber nicht lange, da reicht Stephan das pure Gef\u00fchl von Tempo nicht mehr. Er will sich mit anderen messen. Er sehnt sich nach Wettkampf. Wieder l\u00e4sst er seiner Fantasie freien Lauf und pl\u00f6tzlich erscheinen um ihn herum mehrere Menschen gleichzeitig, die genau wie er eine Rennausr\u00fcstung tragen und gewillt sind, das Kart, in dem sie sitzen, schneller zu bewegen als er selbst. Stephan fechtet seine ersten intensiven Duelle gegen seine Kontrahenten aus und es best\u00e4tigt sich das, was man bereits zu Beginn seiner Reise hat annehmen k\u00f6nnen: Der liebe Gott, der ihn nach wie vor auf seiner kompletten Reise begleitet und die Geschehnisse von etwas weiter oben beobachtet, hat ihn mit einem besonderen Talent ausgestattet. So gelingt es Stephan zumeist, seine Gegner hinter sich zu lassen. Er wei\u00df nicht mal genau, gegen wen er da f\u00e4hrt. Zu verschwommen und unscharf nimmt er die Fahrer, die ihn umgeben wahr, aber es ist ihm gleichg\u00fcltig, solange er gewinnt. Er steigt zum Leader der Gruppe auf und darf sich ab sofort \u201ePr\u00e4si\u201c nennen. Die Gef\u00e4hrten, die er um sich herum geschart hat, sehen zu ihm auf. Er ist derjenige, der entscheidet, wo gefahren wird und er ist derjenige, den es zu schlagen gilt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich genie\u00dft er diesen Ruhm, aber auch dieses Mal ist das Gef\u00fchl von Erf\u00fcllung, das er kurzfristig empfindet, nur von kurzer Dauer. Er sehnt sich nach st\u00e4rkerer Konkurrenz und will sich mit noch besseren Fahrern messen. So schreitet seine Reise weiter voran und er passiert mit seinem Kart auf der gr\u00fcnen Wolkenlandschaft ein Tor, das von einem gro\u00dfen Bogen umgeben wird. In diesem steht eine Jahreszahl geschrieben: 2007. Da taucht auf einmal ein Fahrer auf, der nicht wie die anderen im gewohnten Sicherheitsabstand hinter ihm herf\u00e4hrt. Dieser Fahrer ist anders: Er besitzt nicht nur die Frechheit, extrem dicht an ihn heranzufahren, nein, er besitzt sogar die Dreistigkeit, den Pr\u00e4si zu \u00fcberholen und vor ihm herzufahren. Stephan f\u00fchlt sich herausgefordert und jagt dem unbekannten Fahrer hinterher. Wie auch bei den anderen Rennteilnehmern kann er nicht genau erkennen, um wen es sich dabei handelt, der es wagt, ihm den Sieg auf der Rennstrecke derart streitig zu machen. Auch diesen Menschen nimmt er eher als verschwommene Gestalt wahr. Lediglich die schwarz-rot-wei\u00dfe Farbe seines Outfits f\u00e4llt ihm auf. Es entbrennt ein hei\u00dfes Duell zwischen den beiden. Dahinter bleiben in ihrer Rolle als Nebendarsteller immer wieder Fahrer zur\u00fcck und es kommen immer wieder neue hinzu, um das Fahrerfeld in seiner Gesamtheit zu erg\u00e4nzen, doch an der Spitze tobt zwischen Stephan und dem geheimnisvollen Unbekannten Jahr f\u00fcr Jahr ein Kampf um den Thron: Die Torb\u00f6gen zu den Jahren 2008 und 2009 durchquert der Unbekannte vor Stephan. Als sie den Torbogen zum Jahr 2010 durchqueren, hat der Pr\u00e4si die Nase vorn. Der Fahrer im schwarz-rot-wei\u00dfen Outfit schl\u00e4gt zum Jahr 2011 zur\u00fcck, die Zufahrt auf den 2012er Bogen kann Stephan wieder f\u00fcr sich entscheiden. Bei der Zufahrt auf den folgenden Torbogen tobt wieder ein erbitterter Kampf zwischen den beiden. Im Reich der gr\u00fcnen Wolken wechseln sich wieder anmutige S-Kurven, mit nervenaufreibenden Schikanen, Vollgaspassagen und Adrenalin hochtreibenden Stellen ab, an denen links und rechts abermals die Wolkenw\u00e4nde lauern. Da nimmt der Pr\u00e4si eine Stimme wahr, die von einem der Fahrer hinter ihm stammen muss. Verantwortungsbewusst geht er vom Gas und l\u00e4sst den Unbekannten vorerst davonziehen, um besser verstehen zu k\u00f6nnen, was ihm aus der Ferne zugerufen wird. Zur gleichen Zeit n\u00e4hert sich ihm ein Schlangenlinien fahrendes Kart mit quietschenden Reifen. Das Kart ber\u00fchrt mehrmals sein Heck, will sich neben ihn setzen und ihn sogar von der Strecke dr\u00fccken, bis Stephan endlich verstehen kann, was genau da hinter ihm geflucht wird. \u201eOh nein, nicht schon wieder Rudi, die Rammsau!\u201c, h\u00f6rt er aus einer gewissen Distanz einen Fahrer gr\u00f6len, der sich nur durch seine Arbeitshandschuhe und der GoPro auf seinem Helm von den anderen verschwommenen Fahrern unterscheidet. In seiner Pflicht als Pr\u00e4si f\u00e4hrt er mit dem aggressiv fahrenden Kart ein wildes Rad an Rad Duell. Die beiden sind nebeneinander und lehnen ihre Fahrzeuge jeweils an dem des anderen an. Dann macht Stephan eine ruckartige Lenkbewegung und st\u00f6\u00dft seinen Gegner damit von der Wolkenstrecke. Er schaut dem fallenden und immer kleiner werdenden Kart hinterher, winkt ironisch und quittiert den Vorfall mit einem s\u00fcffisanten: \u201eAuf Nimmerwiedersehen!\u201c<\/p>\n<p>Sein geheimnisvoller, ebenb\u00fcrtiger Gegner hingegen hat in der Zwischenzeit die Zufahrt zum Jahr 2013 als Erster durchquert, aber der Pr\u00e4si, der durch seine vorangegangene Aktion viel Jubel von seinen Mitstreitern hinter ihm erntet, fasst neuen Mut, tritt sein Gaspedal so fest wie er kann und l\u00e4sst sein Gef\u00e4hrt durch seine blo\u00dfe Willenskraft erneut ungeahnte Geschwindigkeiten erreichen. In Windeseile holt er seinen hartn\u00e4ckigen Kontrahenten ein und zieht mit gewaltigem \u00dcberschuss an ihm vorbei. Es macht fast den Anschein, als h\u00e4tte er seinen einstigen Erzfeind endg\u00fcltig hinter sich gelassen, bis ein neuer Herausforderer auftaucht: Es ist ein Mann, den Stephan noch weniger einordnen kann als seinen vorherigen Gegner. Genau wie die anderen Fahrer hinter ihm nimmt er ihn nur als schwarze Silhouette wahr. Er tr\u00e4gt einen schwarzen Overall, schwarze Handschuhe und einen schwarzen Helm. Einzig und allein ein winziges, gr\u00fcnes und wieder einmal nicht n\u00e4her definierbares Detail an seinem Helm unterscheidet ihn von den anderen dunklen Gestalten hinter ihm. Seine Pr\u00e4senz ist ebenso nichtssagend und be\u00e4ngstigend wie sein Renntempo. Nachdem er Stephan \u00fcberholt hat, sieht es so aus, als k\u00f6nne Stephan versuchen, was er will &#8211; der neue Herausforderer scheint ihm immer einen Schritt voraus zu sein. An den \u00dcberholpunkten, die der Pr\u00e4si sich vorstellt, blockt sein Gegner jeden Angriff ab, in den schnellen Kurvenpassagen ist er grunds\u00e4tzlich einen Hauch schneller als er selbst und Fehler? Fehlanzeige. Sie setzen ihr Rennen fort und passieren Torbogen f\u00fcr Torbogen. 2014, 2015, 2016 und auch 2017 \u2013 Jedes einzelne Tor durchquert er knapp hinter dem Mann im schwarzen Outfit. Jahr f\u00fcr Jahr wird Stephan etwas angespannter. Zwischendurch verliert er sogar die Selbstbeherrschung und f\u00e4hrt impulsiv aus der Haut: \u201eWie kann das sein? Ich wei\u00df, dass ich schnell bin. Ich wei\u00df, dass ich gut fahre. Und au\u00dferdem ist das hier doch mein Weg, wo mein Wille Gesetz ist. Und ich will gewinnen. Also warum gewinne ich nicht?\u201c Als er auch auf dem Weg zum 2018er Torbogen den K\u00fcrzeren gezogen hat, h\u00e4lt er auf halbem Weg zum Tor mit der Aufschrift \u201e2019\u201c kurz inne. Wom\u00f6glich ist er zu verbissen zu Werke gegangen und au\u00dferdem zwickt es komischerweise in seinem R\u00fccken, so dass sich diese Pause nicht nur als wohltuend f\u00fcr seine Seele, sondern auch f\u00fcr seinen K\u00f6rper gestaltet. Er setzt sich kurz an den Rand des gr\u00fcnen Wolkenmeers, als ihm erneut die transzendente Gestalt erscheint. Stephan dr\u00e4ngt sich eine Frage auf: \u201eWarum? Warum schaffe ich es nicht mehr, diesen Mann zu besiegen?\u201c Der liebe Gott entgegnet: \u201eIch kann mich nur wiederholen: Dies ist ein Prozess. Du bist hier, um das zu finden, was du aus tiefster Seele begehrst und nicht, um das zu erzwingen, was du glaubst, zu wollen.\u201c \u201eAch, dann lass mich doch in Ruhe, wenn du mir nicht helfen willst.\u201c, erwidert der Pr\u00e4si genervt. \u201eHast du dich eigentlich schon mal umgeschaut? Oder schaust du nur nach vorne?\u201c, fragt ihn das geheimnisvolle Wesen mit einem frechen Grinsen, bevor es wieder verschwindet. Stephan steht auf und dreht den Kopf zu beiden Seiten. Er bemerkt, dass dort noch andere Dinge zu sehen sind als nur die Rennstrecke. Dort, wo er sich gerade befindet, meint er etwas zu erkennen, das wie ein etwas \u00e4lteres Auto aussieht. Doch sein genauer Anblick bleibt ihm ebenso wie die Gestalten der anderen Fahrer immer noch verborgen. Trotzdem m\u00f6chte er seine Reise jetzt fortsetzen und beschlie\u00dft, es fortan etwas entspannter angehen zu lassen. Der Unbekannte im schwarzen Overall hat das Tor, das in seinem Bogen die Zahl \u201e2019\u201c tr\u00e4gt, l\u00e4ngst als Erster hinter sich gelassen, aber der Pr\u00e4si holt mit seiner neu gewonnenen Lockerheit in rasanten Schritten auf. Zudem nimmt er sich gelegentlich die Zeit, auf dem Weg zum 2020er Tor die Umgebung seiner gr\u00fcnen Wolkenstrecke pr\u00e4ziser auszukundschaften. Die Bilder sind zwar immer noch verschwommen, jedoch schafft er es, wenn er sich ganz stark auf diese konzentriert, die Eindr\u00fccke um ihn herum einzufangen. Etwas, das aussieht wie eine Diskothek l\u00e4sst ihn auf der einen Seite den Klang von Musik aus den 90ern vernehmen. Auf der anderen Seite sieht er drei bezaubernde M\u00e4dchen, die ein famili\u00e4res Gef\u00fchl in ihm ausl\u00f6sen, in schwarz-gr\u00fcnen T-Shirts. Nur ein paar Meter weiter bemerkt er ein fabrikartiges Geb\u00e4ude, auf dessen Parkplatz etwas aufgemalt ist, das man auch f\u00fcr eine Rennstrecke halten k\u00f6nnte. Er f\u00e4hrt noch weiter voraus und beobachtet jetzt zu seiner Linken eine klein gewachsene Frau, die v\u00f6llig aufgel\u00f6st im wei\u00dfen Kleid am Traualtar steht. \u201eWir haben abgemacht, dass du im Anzug heiratest!\u201c, schreit sie ihren Br\u00e4utigam an, der sich im Rennanzug gekleidet direkt vor ihr befindet.<br \/>\nDieser versteht die Welt nicht mehr: \u201eDu hast nicht gesagt, in welchem Anzug.\u201c, antwortet er. Stephan schmunzelt und erblickt zu seiner Rechten Menschen, die ausgelassen lachen. Zus\u00e4tzlich schleicht sich der angenehme Geruch von Pizza in seine Nase. Der Pr\u00e4si wei\u00df nicht einmal genau, warum, aber das Empfinden von au\u00dferordentlichem Gl\u00fcck kehrt zu Stephan zur\u00fcck. Er tr\u00e4gt ein breites Grinsen unter dem Visier seines Helms und er reitet auf dieser Welle von Euphorie. Erneut gelingt es ihm, diese positive Energie allein durch die Kraft seiner Gedanken in einen drastischen Geschwindigkeitsschub umzum\u00fcnzen. In \u00fcberirdischem Tempo n\u00e4hert er sich dem Mann im schwarzen Overall. Die beiden liefern sich bis zum finalen Torbogen ein Nerven zerrei\u00dfendes Kopf an Kopf Rennen, bis Stephan schlie\u00dflich zum entscheidenden \u00dcberholman\u00f6ver ansetzt, die Oberhand gewinnt und das Tor knapp vor seinem \u00e4rgsten Rivalen passiert.<\/p>\n<p>Der Pr\u00e4si jubelt ausgelassen. Er hat es endlich geschafft. Nur wenige Meter weiter endet die Wolkenstrecke und m\u00fcndet in eine kleine Anh\u00f6he, an deren Fu\u00df Stephan sein Gef\u00e4hrt bei der ersten Gelegenheit abstellt. Hinter ihm versammeln sich alle anderen immer noch nicht klar erkennbaren Kartfahrer einschlie\u00dflich des geheimnisvollen Fahrers, den er just bezwungen hat, in seinen H\u00e4nden tr\u00e4gt er auf einmal einen riesigen, goldenen Pokal, vor ihm wartet am h\u00f6chsten Punkt des H\u00fcgels ein weiteres Tor auf ihn. Im Gegensatz zu den Toren, die er schlicht hat durchfahren k\u00f6nnen, unterscheidet sich dieses aber in einem entscheidenden Punkt von den anderen: Es ist vergittert. Jenseits des Tores erblickt Stephan das Ende der gr\u00fcnen Wolkenlandschaft sowie den abendroten Sonnenuntergang. Der Anblick ist atemberaubend, weshalb er sich diesem im festen Glauben, sein Ziel erreicht zu haben, selbstbewusst n\u00e4hert. Als er aber am Tor r\u00fcttelt, muss er feststellen: verschlossen! Frustriert r\u00fcttelt er immer und immer wieder an dem Tor und kann nicht akzeptieren, dass ihm die wundersch\u00f6ne Landschaft jenseits der Gitterst\u00e4be tats\u00e4chlich verwehrt bleiben soll. Da erscheint ihm die g\u00f6ttliche Gestalt erneut und der Pr\u00e4si konfrontiert sie umgehend: \u201eDas hier ist das Ende. Ich habe auf meine Umgebung geachtet, bin dadurch viel lockerer an die Sache herangegangen und ich habe gewonnen. Ich habe in all der Zeit 52 Rennsiege, 53 zweite Pl\u00e4tze und 31 dritte Pl\u00e4tze eingefahren. Ich bin der einzige Fahrer, der sieben Meisterschaftstitel auf seinem Konto hat und bin damit der erfolgreichste Fahrer der Truppe. Also: Warum darf ich hier nicht durch?\u201c Das transzendente Wesen sieht Stephan mit ernster Miene an und spricht: \u201eDu hast es immer noch nicht ganz verstanden, oder? Weil der Sieg allein eben nicht reicht, um dieses Tor zu passieren.\u201c Stephan kann diese Antwort nicht begreifen. Wenn er es nicht verstanden h\u00e4tte, warum hat er dann das Rennen gewonnen? Niedergeschlagen wirft er den Pokal zur Seite und f\u00e4llt vor dem Tor auf die Knie. Doch pl\u00f6tzlich, als er denkt, dass seine komplette Reise umsonst war, versp\u00fcrt er ein aufbauendes Klopfen auf seiner Schulter. Der geheimnisvolle Unbekannte im schwarzen Rennoverall, sein h\u00e4rtester Rivale, hat sich ihm gen\u00e4hert, tritt nun vor ihn und streckt wohlwollend die Hand nach ihm aus. Intuitiv greift der Pr\u00e4si nach der Hand und genau in dem Moment, in dem sich ihre H\u00e4nde ber\u00fchren, trifft ihn die Erleuchtung wie ein Schlag: Seine Gedanken werden klarer, die Bilder um ihn herum werden sch\u00e4rfer: Auf einmal durchlebt er die finale Phase des Rennens im Schnelldurchlauf erneut und erkennt vor seinem geistigen Auge auch alle Nebenschaupl\u00e4tze, die ihm zuvor noch verborgen geblieben sind, in bestechender Sch\u00e4rfe: die Oldtimer Tour aus dem Sommer 2018, die Cincinnati Revival Partys mit seinen Teamkameraden, die Wochenenden mit seinen T\u00f6chtern, den Saisonabschluss aus dem Sommer 2019 vor der Zwiebelfabrik, die Hochzeitsfeier von Anja und Udo und all die Abende nach den jeweiligen Rennen am Monatsanfang, an denen man noch gemeinsam Pizza gegessen hat. Er umgreift die Hand nun ganz fest mit weit aufgerissenen Augen. Das gr\u00fcne Detail auf dem Helm seines schwersten Gegners, das ihm zuvor schon aufgefallen ist, kommt ihm nicht mehr schwammig vor. Er liest auf seinem Helm den gr\u00fcnen Schriftzug \u201eKart-Opa\u201c und blickt unter dem Visier in ein vertrautes, freundliches Gesicht. Dann schaut er hinter sich und kann jetzt auch die anderen Fahrer genau wie ihre individuellen Rennoutfits eindeutig und scharf wahrnehmen. \u201eNat\u00fcrlich.\u201c, murmelt Stephan sichtlich ergriffen vor sich hin. \u201eWie konnte ich das \u00fcbersehen?<br \/>\nEs ist\u00a0nicht das Kartfahren an sich, es ist nicht das Gewinnen \u2013 obwohl Gewinnen auch ziemlich geil ist \u2013 es sind die Menschen, mit denen ich diese Erfahrungen teilen will.\u201c Peter zieht seinen Freund hoch und legt seinen Arm um die Schulter seines Pr\u00e4sis. Stephan blickt ein letztes Mal zum \u00fcbernat\u00fcrlichen Wesen her\u00fcber. Ohne ein weiteres Wort l\u00e4chelt die transparente Erscheinung erleichtert, schaut nach oben, breitet die Arme aus und l\u00f6st sich in Luft auf. Danach ber\u00fchrt der Pr\u00e4si die Gitterst\u00e4be des verschlossenen Tores, indem er sanft seine Hand auflegt. Die Gitterst\u00e4be verschwinden, Peter l\u00e4sst Stephan den Vortritt und so durchschreitet er das Tor nach kurzem Z\u00f6gern mit ruhigem Schritt. Als er es durchquert, wird er von einem grellen Licht geblendet. Alles um ihn herum erstrahlt und f\u00e4rbt sich wei\u00df, so dass er seine Augen kurz schlie\u00dfen muss, bis das Licht an ihm vorbeigezogen ist. Wenig sp\u00e4ter bemerkt er, dass die Intensit\u00e4t des Lichts nachl\u00e4sst. Er traut sich, seine Augen langsam wieder zu \u00f6ffnen. Der Pr\u00e4si schaut sich um und realisiert etwas ungl\u00e4ubig, dass er sich nun nicht l\u00e4nger im Reich der Wolken, sondern in einem nicht n\u00e4her definierten Garten im sch\u00f6nen Ibbenb\u00fcren wiederfindet. Um ihn herum befinden sich jetzt einige andere Menschen, die er klar erkennen kann und die ihm bekannt vorkommen. Eine Art Feier scheint hier im vollen Gange zu sein und er wundert sich: \u201eWie bin ich denn jetzt hierhergekommen?\u201c, w\u00e4hrend er die verschiedenen Geschehnisse und Taten des gut gelaunten Partyvolkes inspiziert.<\/p>\n<p>Hinter ihm tritt Mario die T\u00fcr zum Garten mit brachialer Gewalt ein und gesellt sich nach Jahren der Abwesenheit zu den anderen als w\u00e4re es das Selbstverst\u00e4ndlichste auf der Welt. Etwas abseits beobachtet er, wie sich ein M\u00e4dchen, das auf ihrem Shirt die Aufschrift \u201ePr\u00e4si Kind 1\u201c tr\u00e4gt, schon das zw\u00f6lfte Glas Cola Korn in den Rachen sch\u00fcttet und langsam ihre F\u00e4higkeit fehlerfrei zu sprechen verliert. Daneben bekommt das M\u00e4dchen mit der Aufschrift \u201ePr\u00e4si Kind 2\u201c nichts von dem Trinkverhalten ihrer Schwester mit. Sie ist in ihr Handy vertieft und scrollt bereits zum dritten Mal innerhalb weniger Minuten geringf\u00fcgig gelangweilt durch ihren Instagramfeed, ohne dabei irgendetwas zu entdecken, das sie nicht schon gesehen hat. Stefan Kr\u00f6ger hat es sich in seiner Jogginghose auf dem nahegelegenen Sofa gem\u00fctlich gemacht und genie\u00dft den einen oder anderen Zug von seiner Zigarette. Den direkt neben ihm sitzenden Andi fragt er, warum er denn die letzten 47 Rennen verpasst habe. Dieser versucht seine Teamkameraden zu bes\u00e4nftigen und vertr\u00f6stet sie mit etwas unsicherer Stimmlage: \u201eTut mir wirklich leid, aber n\u00e4chstes Mal bin ich ganz sicher dabei, versprochen.\u201c Auch Tobi und Claas haben dort Platz genommen und diskutieren ausgelassen \u00fcber die Ereignisse des letzten Formel 1 Rennens. Tobi erkl\u00e4rt, warum Sebastian Vettel auch heute noch der beste Fahrer im Feld ist und dass es doch offensichtlich sei, dass Lewis Hamilton immer nur Gl\u00fcck habe. Als anschlie\u00dfend \u00fcber die Unf\u00e4lle des besagten Rennens gesprochen wird, kommentiert Claas die Vorkommnisse nun schon zum wiederholten Mal mit einem humorvollen: \u201eDa hat man es doch wieder gesehen. Erst ging ihm die Strecke aus und dann das Talent.\u201c Mittendrin erblickt Stephan eine aufgebrachte Jara, die versucht, die Aufmerksamkeit der anderen auf sich zu ziehen, indem sie sich schon seit 30 Minuten \u00fcber ihren Freund echauffiert. Sie befindet sich so sehr im Tunnel und redet sich so sehr in Rage, dass sie gar nicht bemerkt, dass ihr schon seit 29 Minuten niemand mehr zuh\u00f6rt. Die Show wird ihr n\u00e4mlich von ihrer eigenen Mutter gestohlen. Tanja rei\u00dft mal wieder einen zweideutigen Witz nach dem anderen und zieht damit vor allem die Blicke der m\u00e4nnlichen Anwesenden auf sich. Sina tippt w\u00e4hrenddessen Benni auf die Schulter, rollt mit den Augen und fl\u00fcstert ihm ins Ohr: \u201eWo sind wir hier nur gelandet?\u201c Frank, der mit Sonnenbrille auf der Nase sein Pokerface bewahrt, h\u00e4lt sich vorerst aus allem heraus und genehmigt sich entspannt grinsend ein W\u00e4sserchen, w\u00e4hrend ihm sowohl von links als auch von rechts von seinen zahlreichen Groupies mit metergro\u00dfen Bl\u00e4ttern Luft zugef\u00e4chert wird. Peter und Vanessa hingegen haben sich f\u00fcr den Abend viel vorgenommen. Sie wollen so richtig einen los machen, sto\u00dfen mit ihren Flaschen an, \u00fcberkreuzen die Arme und trinken schon ihre siebte Fassbrause auf ex. Dar\u00fcber hinaus haben sie auf dem kompletten Grundst\u00fcck eine riesige Landkarte ausgebreitet und besprechen mit Christian und Melanie, die sich mit Zeigestock und Edding bewaffnet haben, die Route f\u00fcr die n\u00e4chste Motorradtour. Unterdessen machen sich Olli,\u00a0Alex und Gioia auf der Tanzfl\u00e4che zu einem Backstreet Boys Klassiker mit ihren minder professionellen Tanzmoves einmal mehr zum Obst der Woche. Kurz darauf beginnt das n\u00e4chste Lied. Die wohlklingende Stimme von Helene Fischer ert\u00f6nt, Anja springt auf und versucht akribisch, ihren Ehemann mit auf die Tanzfl\u00e4che zu zerren. Nach einem kurzen Moment des Widerstandes gibt Udo auf und l\u00e4sst sich dazu hinrei\u00dfen, seine Frau zu einem Tanz aufzufordern, sucht aber immer wieder den Blickkontakt zu Alex, weil er insgeheim hofft, von diesem abgel\u00f6st zu werden. Lechzend nach mehr saugt Stephan all diese Eindr\u00fccke auf und stellt nun fest, wie sich ein weiches sowie warmes Gef\u00fchl in seiner Bauchgegend ausbreitet. Es ist das Gef\u00fchl von Geborgenheit, das Gef\u00fchl von Heimat, nach dem er sich in all der Zeit gesehnt hat. In diesem Moment wird ihm klar: \u201eIch bin angekommen. Hier geh\u00f6re ich hin, hier bin ich Zuhause.\u201c Norman geleitet den immer noch leicht verwirrt um sich blickenden aber zufrieden l\u00e4chelnden Pr\u00e4si zu seinem Platz und hat die Zwischenzeit genutzt, jedem der Teilnehmer ein Getr\u00e4nk vorzubereiten, um die hei\u00dfe Phase des Abends einzul\u00e4uten. Mit einer Mischung aus \u00e4ngstlichem und angewidertem Blick nimmt jeder der Anwesenden den fast glasklaren Inhalt des Glases genauer unter die Lupe, den Norman allen Beteiligten als \u201eWodka Energy Mischung\u201c verkaufen will. Es handelt sich um die Norman Spezialmischung in seinem ber\u00fchmt ber\u00fcchtigten Mischverh\u00e4ltnis 70\/20\/10: 70% Wodka, 20% Energy, 10% Mordversuch.<\/p>\n<p>Aber mutig und der Gefahr zum Trotz erheben die Kart-Hornets die Gl\u00e4ser und wenn sie daran nicht gestorben sind, dann fahren sie noch heute.<\/p>\n<p>ENDE<\/p>\n<hr \/>\n<hr \/>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war einmal vor langer Zeit. Die Sonne scheint, die V\u00f6gel zwitschern, es ist angenehm warm und eine leichte Sommerbrise f\u00e4hrt durch das Bl\u00e4tterkleid der B\u00e4ume in der N\u00e4he. Inmitten dieser Idylle steht ein einsamer Mann in der Bl\u00fctezeit seiner Existenz. 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