DAS Saisonfinale

Unser Fahrer Alex hat sich in der Coronazeit mal gedanken gemacht wie unser Saisonfinale aussehen könnte.

Diese Geschichte etwas überspitzt und sooo Lustig musste ich nun hier für euch alle Posten :

Ein Mann, lässig mit dem Rücken an sein Auto gelehnt, steht auf dem Parkplatz und genießt die Ruhe vor dem Sturm. Er starrt in den strahlend blauen Himmel, nimmt noch einen letzten Zug von seiner Zigarette und kratzt dann die letzten Cents aus seiner Geldbörse zusammen, die ihm nach seinen unzähligen Trainingseinheiten noch geblieben sind. „Na gut, dann bringen wir es mal hinter uns.“, flüstert er vor sich hin, als ihm ein erstes Auto auf dem Parkplatz Gesellschaft leistet.
Der Fahrer steigt aus. „Und Sie sind…?“ fragt er den geheimnisvollen Fremden mit zusammengekniffenen Augen. Geblendet vom Sonnenlicht, das von der Glatze des Fremden reflektiert wird, setzt er seine Sonnenbrille auf. „Ach, Norman, du bist es.“, sagt er.
„Moin, Stephan. Und? Vorbereitet auf den großen Tag heute?“, fragt Norman. Der Präsi grinst verschmitzt, klopft gegen sein Auto, verschränkt die Arme und ruft: „Mädels, es geht los!“
Drei Fahrzeugtüren öffnen sich gleichzeitig. Aus jeder Tür steigt eine Frau: In beiden Händen halten sie neongrüne Pompons, perfekt abgestimmt auf den neongrünen Rock.
Norman zieht eine Augenbraue hoch und beobachtet, wie das nächste Auto den Parkplatz erreicht. Ein dunkelgrüner BMW rast mit quietschenden Reifen im Drift auf das Gelände, beschleunigt erneut und parkt dann filigran nach einem erneuten 180 Grad Drift perfekt rückwärts neben dem Präsi ein. „Mann, Peter meint es heute echt ernst.“, denkt er sich, während er die schwarzen Spuren auf dem Untergrund und die qualmenden Reifen inspiziert. Die Fahrertür öffnet sich. „Moin zusammen!“ schallt es in die Runde. Den Männern bleibt die Spucke weg: Vanessa steigt aus, ihr Gasfuß qualmt ebenso wie die Reifen des Autos.

Währenddessen öffnet sich auch die Beifahrertür und der Herausforderer hat Mühe, aus dem Auto herauszutreten. Alle rätseln, woher diese Klimper- und Klirrgeräusche nur herkommen könnten. Als Peter endlich den Weg aus dem Auto herausgefunden hat, werden die Anwesenden erneut vom Licht geblendet, das von den Gegenständen, die sie erblicken, reflektiert wird: Um seinen Hals hängen schätzungsweise 27 Medaillen, an seinem Oberkörper sind ca acht bis zwölf Pokale befestigt. „Muss das wirklich sein?“, fragt Vanessa. „Natürlich“, entgegnet Peter. „Das ist psychologische Kriegsführung. So ein Rückstand holt sich nicht von alleine auf. Mein Rivale soll ruhig sehen, welche Pokale er zuletzt alle nicht gewonnen hat und so soll es ja auch weitergehen.“
„Aber denk doch an deinen Rücken. So wird das heute mit dem Schnellfahren nichts.“, empfiehlt Vanessa besorgt, aber ihr Gatte erwidert nur süffisant, während er an allen vorbeiläuft und den Eingangsbereich betritt, so dass alle seinen Rücken sehen können: „Das ist kein Problem. Die Pokale auf meiner Rückseite arbeiten als Gegengewicht.“

Stephan folgt ihm unbeeindruckt, eskortiert von seinen Cheerleadern. Nach und nach füllt sich der Parkplatz. Als das Teilnehmerfeld fast vollzählig ist, entscheidet sich auch der Rest, hineinzugehen. Die Stimmung scheint angespannt. All die Fernsehteams vor Ort löchern die Fahrer mit Fragen und terrorisieren sie mit klickenden und blitzenden Kameras. Während sich Peter seine Zeit nimmt, um den Reportern Antworten und seinen Fans Bilder zu liefern, erblickt man im Hintergrund eine Gruppe von Jungen, die sich mit Tränen in den Augen rennend auf ihre Mütter zu bewegen: Stephan hat nun schon dem siebten Jungen die Unterschrift auf seinen Autogrammkarten mit einem grummeligen „Erst nach dem Rennen.“, verweigert.

In all dem Trubel rund um das Meisterschaftsfinale wäre beinahe untergegangen, dass vier Fahrer noch fehlen: Den Anwesenden fällt jedoch auf, dass schon Betrieb auf der Strecke herrscht. Interessiert werfen sie einen Blick in Richtung Bahn und stellen fast schon schockiert fest, dass der schon seit Jahren bestehende Rundenrekord Runde um Runde um ein paar Tausendstel fällt. Den Fahrer, der das Kart bewegt, können sie nicht erkennen. Zu schnell fliegt er um den Kurs. Erst beim ganz genauen Hinsehen erkennen die Zuschauer die Farben des Outfits: rot, schwarz und weiß. Zielstrebig geht der Präsi voraus vom Aufenthaltsraum in Richtung Strecke, um den neuen Rundenrekordhalter beim Fahren genauer unter die Lupe zu nehmen. Vor der Tür stellt sich ihm ein dunkelhäutiger Security Mann in den Weg, der wohl ca 2,20 Meter groß und 140 Kilo schwer ist. Schweigend hält er mit der einen Hand sein Headset fest, während die andere Hand den Kart-Hornets „Stop“ signalisiert, macht dann eine mehrfache kurze Nickbewegung und wendet sich dann an die vor ihm wartende Gruppe, indem er mit seinem amerikanischen Akzent die Stimme erhebt: „I’m very sorry, Sir. Aber Mister Dieckmann möchte bei seinem lockeren Warm-Up nicht gestört werden.“

Die Gruppe seufzt frustriert im Chor, als sie laute Motorradgeräusche von draußen vernimmt. Sie öffnen die Eingangstür, eine riesige Staubwolke versperrt ihnen die Sicht. Die Fahrer rätseln, wer sich hinter der Wolke verbergen könnte. Eines ist klar: Carsten kann es nicht sein. Denn der ist gerade in Barcelona im Urlaub, um sich das im Vergleich mit dem Kart-Hornets Saisonfinale bedeutend weniger wichtige MotoGP Rennwochenende anzuschauen. Nach einem kurzen Moment lichtet sich der Staub, das Motorrad kommt zum Vorschein. Es trägt die Nummer 7. Der Fahrer steigt ab und nimmt seine Schutzbrille ab, die vom aufgewirbelten Dreck schon ganz schwarz geworden ist. Vermutlich hat er die letzten fünf Kilometer des Weges schon nichts mehr gesehen. Er marschiert Richtung Eingangsbereich. Bei seinen Konkurrenten angekommen, bleibt er kurz stehen, wirft ihnen einen tödlichen Blick zu und spricht: „Sieg oder Blut im Stiefel.“ Dann geht er weiter. Christian und Olli schauen sich verdutzt an, während sie Kais Schritte verfolgen und sehen, wie er bei jedem seiner Schritte eine rote Spur hinterlässt. „Dann wohl heute kein Sieg.“, sagen sie sich.
Kai bewegt sich mit raschem Tempo auf die Strecke und damit auch auf den Türsteher zu. Dieser erstarrt vor Ehrfurcht, als er die Aufschrift „Luigi“ auf seinem Anzug sieht, verbeugt sich und öffnet ihm die Tür. „Männers, wir können rein.“, gibt er zu verstehen. Die anderen folgen ihm und hinter ihnen trudelt ein weiterer Fahrer ein, der bis dato noch nicht eingetroffen ist: Er schnippst seine Zigarette weg und schlendert gemütlich über den Parkplatz, seine Jogginghose flattert im Wind. Dank seines Outfits kommt er unauffällig an den Fernsehteams vorbei und kann den anderen in Richtung Strecke folgen.

Es ist nun 15:55 Uhr und ein Fahrer fehlt nachwievor. Die anderen bereiten sich aber schon auf ihre letzte Schlacht vor. Peter hat den Rückstand vor dem letzten Rennen bis auf fünf Punkte verkürzen können, braucht aber im besten Fall trotzdem einen Sieg und ein weiteres Kart zwischen sich und Stephan, um die Meisterschaft klarzumachen. Frank hat sein Warm-Up inzwischen beendet und ist wieder in der Boxengasse angekommen. Er steigt aus, lässt seinen Helm auf, das Visier unten, geht an seinen Gegnern vorbei, nickt anerkennend und setzt sich dann wortlos in das Kart, das ihm für das Rennen zugeteilt worden ist. Die anderen Fahrer tun es ihm gleich und jeder begibt sich in seinen ganz eigenen Tunnel: Peter dehnt ein letztes Mal seinen Rücken, Stephan atmet tief durch, Olli klappt den Sonnenschutz seines Helmes herunter, Claas zieht auf Grund der harten Schicht, die ihm bevorsteht, seine Arbeitshandschuhe an und startet seine Kamera, Norman legt sich bereits seine Undercut Strategie zurecht, die ihm den Sieg bringen soll, Udo klatscht mit jedem ab, Christian winkt den mitgereisten Fans zu, Tobi übt schon mal den Einsatz des Vettelfingers und Andreas überlegt sich, welche an den Haaren herbeigezogene Ausrede er heute nach dem Rennen zum Besten gibt.

16:01 Uhr, Feuer frei: Die Fahrer verlassen die Boxengasse und beginnen das Qualifying. Voll gepumpt mit Adrenalin gestaltet heute jeder seine Schlangenlinien zum Aufwärmen der Reifen besonders wild. Währenddessen ertönt „Ferrari Testarossa“ von Apache 207 draußen auf dem Parkplatz in Ohren betäubender Lautstärke. Der letzte Fahrer ist eingetroffen.

Alex sprintet mit rotem Kopf zur Rennstrecke. Den Eingangsbereich erreicht, rempelt er einen Reporter zur Seite, springt über drei 5 jährige drüber und weicht einer Gruppe von Damen mit einer Pirouette aus, während er auf einer Banane herumkaut. Als er den Ort des Geschehens erreicht hat, kommt ihm ein Fahrer bereits entgegen: Frank hat vom Warm-Up- in den Wettkampfmodus geschaltet, in der zweiten Runde den Rundenrekord um mehr als eine Sekunde unterboten und kurz darauf die Box angesteuert, damit er kurz vor dem Rennen noch einen Kaffee trinken kann. Alex nimmt derweil das Qualifying mit Verspätung auf und hat Mühe sich in das Fahrerfeld, das bereits in seinem Rhythmus ist, zu integrieren. Er bemerkt, dass er seine Bananenschale noch bei sich trägt und wirft sie kurzerhand auf die Strecke. Das soll Udo auf seiner schnellsten Runde zum Verhängnis werden: Er tuschiert die Bananenschale und legt gleich drei volle Drehungen hin, bevor er das Kart wieder unter Kontrolle bringen kann. Für ihn bleibt am Ende Platz 10. Stephan legt das beste Qualifying unter den Normalsterblichen hin und sichert sich den zweiten Platz vor seinem Namensvetter. Kai startet von Platz 4 vor Norman und Olli. Alex hat auf Platz 7 Claas und Tobi im Nacken, die wiederum vor Udo stehen, da ihm sein erstes Top 5 Ergebnis von einer Bananenschale verwehrt worden ist. Doch wo ist Peter? Unter seinem Rennanzug trägt er immer noch seine Goldrüstung aus Medaillen und Pokalen. Der zusätzliche Ballast beschert ihm am Ende des Qualifyings Platz 11 vor Christian und Andreas. Stephan glaubt die Meisterschaft schon im Sack zu haben, doch Peter gibt sich kämpferisch. Nachdem Frank sein Kaffeepäuschen beendet hat, reiht er sich an der Spitze der Startaufstellung ein, die beiden Meisterschaftsrivalen suchen kurz den Blickkontakt zueinander und geben sich einen Daumen hoch. Ganz hinten geht Andreas mit Schweißperlen auf der Stirn nochmal seine Ausreden durch: „Nein, die kann ich heute nicht bringen. Wie wärs mit der?… Nee, Mist, die hatte ich auch schon.“, brainstormt er, während die Lichter ausgehen und das Rennen freigegeben wird.

„Ich habs!“, denkt sich Andreas. Die Motoren heulen auf und 12 von 13 Karts nehmen das Rennen auf. Obwohl Frank keinen Frühstart hingelegt hat, befindet er sich schon am Ausgang der zweiten Kurve, als die anderen Fahrer den Eingang der ersten Kurve erreichen. Der PH Stephan verteidigt Platz 2 gegen Stefan mit F. Dahinter kann Norman den angreifenden Olli wieder auskontern. Das gleiche gilt für Tobi, der einen routinierten Gegenangriff gegen Udo setzen kann. Nach diesem verhältnismäßig gesitteten Start steckt Peter nachwievor auf Platz 11 fest. Das Teilnehmerfeld beendet die erste Runde und passiert das erste Mal den immer noch in der Startaufstellung stehenden Andreas. Energisch tritt er in das linke Pedal und fuchtelt wild mit den Armen. „Das Kaaaart! Das Kart fährt einfach nicht!“, flucht er.
In der Anfangsphase des Rennens findet ansonsten die gewohnte Grüppchenbildung statt: Frank hat das Fahrerfeld bereits ein Mal überrundet, Stephan ist immer noch Zweiter vor dem Mann in der Jogginghose. Dahinter klafft eine erste kleine Lücke zu Kai, Norman und Olli, die wiederum ein Loch zu Alex gerissen haben, der sichtlich Schwierigkeiten hat, sich gegen die Fahrer hinter ihm zu verteidigen. Peter bemerkt in dieser Phase, dass er das Tempo der Top Ten nicht mitgehen kann und erkennt, dass er etwas unternehmen muss. Mit Trauer erfülltem Gesicht öffnet er seinen Overall und befreit sich nach und nach von seinen mitgeschleppten Gegenständen. Ein letztes Mal liebkost er jede Medaille und jeden Pokal mit einem Küsschen. „Vergebt mir, meine Schätze.“, murmelt er vor sich hin. Christian hinter ihm fliegt beinahe ab, weil die Tränen seines Vordermannes auf dessen Visier landen, kann das Kart aber noch geradeso abfangen. Kurz darauf landen die Mitbringsel jenseits der Streckenbegrenzung, Peter klappt sein Visier runter und drückt den rechten Fuß durch. Flammen treten in diesem Moment aus dem Auspuff seines Kartes. Christian muss ein weiteres Mal einen Unfall vermeiden, da er in der enstandenen Rauchwolke die nächste Kurve nicht einsehen kann. Als er die Wolke durchquert hat, ist der gerade noch vor ihm fahrende Peter verschwunden. Die Aufholjagd hat begonnen.

Davor geht das Rennen allmählich in die heiße Phase: Alex wird von den Fahrern hinter ihm massiv unter Druck gesetzt. Zudem verhält sich sein Kart ungewöhnlich unruhig und unberechenbar auf dem Gaspedal und macht es den Verfolgern damit zusätzlich schwer. Mehrfach berührt Claas das Heck seines ruckelnden Vordermannes. „Ja, nun fahr doch!“, brüllt er mit ausgestreckter Hand in Richtung Alex und bekommt gleichzeitig mehrere kleinere Stöße von hinten. Mit einem „Mann, Mann, pass doch auf!“, quittiert er die leichten Rempeleien seines Hintermannes. Dann, in einem kurzen Anflug von geistiger Abwesenheit, während er „Linke Spur, Kickdown…“ vor sich hin summt, holt Alex vor der ersten Kurve auf der linken Seite zu weit aus und verbremst sich. Claas, Tobi und auch Udo können durchschlüpfen. Ein kurzer Blick rüber beim Vorbeifahren verrät, dass er seine Kartschuhe vergessen hat. Etwas weiter vorne wollen sich Kai und Norman nicht mit den undankbaren Plätzen 4 und 5 zufrieden geben und steuern die Boxengasse an. Bei Norman handelt es sich um einen klassischen Undercutversuch, da er fälschlicherweise glaubt, einen Pflichtboxenstop absolvieren zu müssen. Kai ist der Meinung, auf 2 Rädern schneller unterwegs zu sein und demontiert kurzerhand 2 Reifen von seinem Gefährt. Peter, der durch diese interessanten Strategien zwei Positionen gewonnen hat, lässt in der Zwischenzeit Alex und Udo einfach stehen und beobachtet nun den entbrennenden Zweikampf zwischen Claas und Tobi. Tobi versucht einen Angriff zu setzen, Claas sieht den Angriff in der Rechtskurve kommen und verteidigt die Innenseite, am folgenden Kurvenausgang hat Tobi die etwas bessere Beschleunigung und versucht, sich vor der nächsten Linkskurve innen daneben zu setzen. Sein halbes Kart ist neben dem von Claas, die letzten entscheidenden Meter will er auf der Bremse gewinnen. Claas, der das späte Bremsmanöver nicht erwartet hat, lenkt ein und Tobi landet frontal in der Streckenbegrenzung. Claas dreht sich kurz um, schüttelt den Kopf und winkt ab. „Wo soll ich denn hin? Da wollte er einfach zu viel.“, platzt es aus ihm heraus. Peter gewinnt so einen weiteren Platz und holt geistesgegenwärtig über außen aus, damit er Claas, der viel Schwung verloren hat, ausbeschleunigen kann. Vor der nächsten Rechtskurve ist er innen daneben, es kommt zu einem leichten Kontakt, hat aber am Kurvenausgang die Nase vorne. Der frustrierte Tobi beendet daraufhin sein Rennen. Wie einst beim Quartalsrennen lässt er seinen Helm auf, als er an den zahllosen Reportern, die ihm ihre Mikrofone unter Blitzlichtgewitter vors Gesicht halten, vorbeistürmt und verweigert die Interviews.

Weit zurückgefallen ins Renngeschehen zurückgekehrt, muss Norman inzwischen feststellen, dass kein anderer Fahrer die Box aufgesucht hat. Er erkennt, dass sein Rennen gelaufen ist und setzt das Rennen mit hängenden Schultern und nur einer Hand am Lenkrad fort. Die andere Hand nutzt er, um bei jeder Rundendurchfahrt den Zuschauern zu winken, indem er unter seinem Kopfschutz alberne Grimassen schneidet. Auf den Rängen entstehen Rangeleien um die vordersten Plätze: Die Fotografen reißen sich um den besten Schnappschuss. Auch Kai stellt fest, dass seine Kosten-Nutzen-Rechnung nicht aufgeht. Nachdem er sich nach seinem Reifenwechsel auch hinter Norman einsortiert hat, hat er auf 2 Rädern aber zumindest an Tempo gewonnen und versucht sich deshalb am Extrapunkt für die schnellste Rennrunde.

Peter, dessen Kart seit seiner Aufholjagd merkwürdigerweise den Sound eines V8 Motoren besitzt, setzt seinen Weg Richtung Spitze unerbittlich fort. Sein Gaspedal wird so hart getreten, dass es langsam erste Risse zeigt. Olli hat er aber zu Beginn des letzten Renndrittels fast eingeholt, als Frank das Teilnehmerfeld ein zweites Mal überrundet. Das Überholmanöver gegen Olli gestaltet sich problemlos: Ein Mal mehr treten Flammen aus seinem Auspuff, so dass er mit einem gewaltigen Überschuss an seinem Kontrahenten vorbeiziehen kann. Olli erleidet daraufhin in der entstandenen Rauchwolke einen schweren Hustenanfall und muss von der Rennleitung aus dem Rennen entfernt werden. Er wird ins Medical Center gebracht und dort auf ein Gerüchten zufolge neuartiges Virus, das angeblich aus dem chinesischen Raum stammen soll, untersucht.

Nur noch wenige Runden bleiben Peter, um die Meisterschaftssituation doch noch umzukrempeln. Er hat jedoch den direkten Anschluss an Stefan und Stephan gefunden. Den immer noch in der Startaufstellung stehenden und fluchenden Andreas blenden die Beteiligten mittlerweile aus. Kurze Zeit später kann Peter tatsächlich eine leichte Unkonzentriertheit seines Vordermannes zu seinen Gunsten nutzen: Er bremst sich an seinem Gegner vorbei und liegt nun direkt hinter seinem Meisterschaftskonkurrenten. In der absoluten Schlussphase des Rennens spitzt sich die Situation zu und Peter, der das Momentum auf seiner Seite hat, wittert seine Chance: Er versucht es in der ersten Rechtskurve auf der Innenseite, der Präsi holt weit aus und kontert seinen Rivalen auf Grund der besseren Beschleunigung am Kurvenausgang aus. In der darauffolgenden Linkskurve verteidigt Stephan die Innenseite, Peter holt jetzt weit aus und versucht nun selbst am Kurvenausgang die bessere Beschleunigung für sich zu nutzen. Er schafft es auf dem Weg zur nächsten Kurve bis auf gleiche Höhe und kann in der nächsten Kurve die Innenseite für sich beanspruchen, Stephan geht volles Risiko und versucht über außen mitzugehen, bleibt auf gleicher Höhe mit seinem Kontrahenten und hat in der nächsten Kurve nun selbst die Innenseite, in der wiederum Peter versucht, mit Schwung über außen mitzuziehen. Vier Kurven später sind die beiden in einer perfekt performten Choreografie immer noch nebeneinander. Für die folgende Linkskurve, die mit einem harten Bremspunkt wartet, hat sich Peter innen und Stephan außen positioniert. Peter hat am Kurveneingang die Nase vorne, Stephan versucht auf der Bremse alles, muss aber jetzt einen minimalen Rutscher verzeichnen, der Peter einen entscheidenden Vorteil am Kurvenausgang verschafft. Doch nicht nur das: Stephan verliert am Kurvenausgang zu viel Schwung und büßt eine weitere Position gegen seinen Namensvetter ein. Die Meisterschaft, die er das ganze Rennen über sicher in den Händen gehalten hat, droht ihm auf den letzten Metern doch noch aus den Fingern zu gleiten. Noch hat er aber einen Vorteil von einem Punkt auf seiner Seite, bis etwas Unfassbares geschieht: Ein lauter Knall ist in der Halle zu hören, Rauch steigt aus Franks Kart auf. Er rollt aus! Ihren Augen nicht trauend beobachtet die Menge, wie er sein Fahrzeug an der Seite abstellt, aufsteht, einmal emotionslos gegen einen Reifen tritt und dann mit hängendem Kopf in Richtung Boxengasse stiefelt. Die Fahrer passieren das gestrandete Kart von Frank ein Mal. Am Ende der Runde wird das Rennen abgewunken. Peter jubelt zurückhaltend, Stephan sieht sich, nachdem er an der schwarz weiß karierten Flagge vorbeigefahren ist, mit einem Blick, der sagt „Was genau ist hier gerade passiert?“ um.

Die Nerven in den Fanlagern liegen blank. Der Security Mann hat alle Hände voll zu tun, die erhitzten Gemüter zu beruhigen. In der Box angekommen herrscht bei den Fahrern Unklarheit über das Endergebnis. Peter, Stefan mit F und der PH Stephan machen sich aber auf zum Podium, wo die Siegerehrung stattfinden soll. Der Präsi hat ein mulmiges Gefühl in der Magengegend: Ein Sieg von Peter bei einem gleichzeitigen dritten Platz von ihm würde bedeuten, dass Punktegleichstand herrscht, Peter aber mehr Siege hätte, da er die letzten beiden Rennen gewonnen hat und damit den Titel holen würde. Ein eingeflogener Moderator, der mit seinen auffällig bunten Klamotten verdächtig nach Kai Ebel aussieht, erwischt Stephan in seinen Gedanken versunken und überrascht ihn mit seiner Aussage: „Herr Zeisberg, ich muss Sie leider bitten, ein Stück zurückzutreten. Können Sie mir stattdessen Herrn Dieckmann nach vorne schicken?“
Verwirrt tauschen Frank und Stephan die Plätze, als der Moderator mit der Siegerehrung beginnt: „Meine Damen und Herren, danke, dass Sie so zahlreich erschienen sind und ansonsten bleibt mir nur zu sagen: WAS FÜR EIN RENNEN. Ich möchte nun die Top 3 aufs Podium bitten: Stefan Kröger auf Platz 3, Peter Spinger auf Platz 2 und kurios: auf Platz 1 ein Fahrer, der die Zielflagge gar nicht gesehen hat, aber trotz seines Motorschadens immer noch eine Runde Vorsprung hatte, als das Rennen abgewunken wurde und damit das Rennen gewinnt: Frank Dieckmann!“

Die Verwirrung in Stephans Gesicht wandelt sich zu einem erleichterten Lächeln. Ihm ist klar: Er hat den Titel – mit einem Punkt Vorsprung! Auch Peter weiß es. Dieser kann nicht anders als zu lachen, wo er so etwas doch auch noch nie erlebt hat. Er holt den jetzt frei heraus jubelnden Stephan mit aufs Podium und verpasst ihm eine Champagnerdusche. „Wir gratulieren dem frisch gebackenen Meister, Stephan Zeisberg!“, ruft der Moderator kurze Zeit später. Er übergibt ihm die riesige Trophäe für seinen Titelgewinn und bittet ihn dann um ein kurzes Interview. Sichtlich ergriffen spricht Stephan: „Ich danke dem Boden, ohne den ich heute nicht hier stehen würde!“
Die Menge tobt. Neongrüne BHs und Slips fliegen von allen Seiten zu Stephans Füßen. Freudestrahlend nimmt er sich nun die Zeit, Autogrammkarten zu unterschreiben und mit jedem seiner Fans für Fotos zu posieren und hinterlässt so leuchtende Kinderaugen. Alle Fahrer, auch der – wie mittlerweile bekannt – kerngesunde Olli, genießen die gelöste Stimmung und die Party vor Ort.

Nach einiger Zeit wird es leerer und etwas Ruhe kehrt ein. Stephan nimmt die riesige Meisterschaftstrophäe, die fast halb so groß ist wie er selbst, auf den Arm und lässt mit seinem Meisterschaftsrivalen ein letztes Erinnerungsfoto von Vanessa schießen. Beim Verlassen der Anlage beobachtet sie den strahlenden Sieger, als er an ihr vorbeigeht und denkt sich: „Mann, der Pokal hätte sich auch echt gut bei uns Zuhause gemacht.“
Stephan bemerkt ihren nach dem Pokal lechzenden Blick, dreht sich um, sieht sie an, grinst frech und sagt mit einem Augenzwinkern: „Nur gucken, nicht anfassen.“

ENDE

Copyright Alex P.